Warum viele Unternehmen schon im Januar ins Minus rutschen und was hilft
Anfang Februar passiert es jedes Jahr wieder.
Unternehmerinnen und Unternehmer öffnen ihre erste betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) des Jahres – und erschrecken.
Ein Minus.
Manchmal nur leicht, manchmal deutlich.
Und das, obwohl Aufträge da sind, gearbeitet wurde und der Kalender gut gefüllt ist. Die Liquidität im Unternehmen fühlt sich plötzlich angespannt an – obwohl das operative Geschäft eigentlich läuft.
Die erste Reaktion ist fast immer emotional:
„Was haben wir falsch gemacht?“
„Warum sieht das so schlecht aus?“
„Müssen wir jetzt sofort gegensteuern?“
Die ehrliche Antwort lautet in vielen Fällen: Nein.
Zumindest nicht operativ.
Denn das Problem liegt häufig nicht im Geschäft – sondern im System, das dahintersteht.
Der Januar ist kein normaler Monat
Der Januar ist für viele Unternehmen finanziell ein echter Sonderfall.
Während Umsätze oft zeitverzögert eingehen, laufen die Kosten gebündelt und pünktlich ab.
Typische Abbuchungen im Januar sind zum Beispiel:
- Versicherungen und Jahresprämien
- Wartungs- und Serviceverträge
- Leasingraten
- Energieabrechnungen
- Software- und Lizenzkosten
- Steuernachläufe aus dem Vorjahr
- Sonderzahlungen und Rückstellungen
Die BWA bildet genau diesen Effekt ab.
Sie zeigt in vielen Fällen keine langfristige Schieflage, sondern eine kurzfristige Liquiditätsbelastung durch Timing.
Trotzdem trifft sie viele Unternehmer jedes Jahr wieder unvorbereitet.
Warum eigentlich?
Das eigentliche Problem: die Reihenfolge
Die meisten Unternehmen arbeiten nach einer tief verankerten Logik:
Umsatz – Kosten = Gewinn
In der Praxis bedeutet das:
Alle Kosten werden zuerst bezahlt.
Der Gewinn soll am Ende „übrig bleiben“.
In manchen Monaten funktioniert das – in vielen aber nicht.
Gerade dann, wenn viele Abbuchungen zusammenkommen, wie im Januar, frisst dieses System den Gewinn automatisch auf. Nicht aus bösem Willen, sondern weil es genau so gebaut ist.
Die BWA zeigt dann ein Minus.
Nicht, weil schlecht gearbeitet wurde.
Sondern weil Gewinn kein fester Bestandteil des Systems ist.
Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: Handwerksbetrieb mit 18 Mitarbeitern
Ein Handwerksbetrieb mit guter Auslastung startet ins Jahr.
Die Auftragsbücher sind voll, mehrere Projekte laufen parallel.
Im Januar werden fällig:
- Versicherungen für Fuhrpark und Betrieb
- Leasingraten für Fahrzeuge
- größere Materialrechnungen
- Wartungsverträge
- erste Steuervorauszahlungen
Die Umsätze kommen, aber teilweise erst Ende Januar oder im Februar.
Die erste BWA zeigt ein Minus.
Der Unternehmer beginnt an sich zu zweifeln, obwohl operativ alles funktioniert.
Das eigentliche Problem:
Es gab keine klare Trennung zwischen Geld für Ausgaben, Steuern, Inhaberlohn und Gewinn. Alles lief über ein Konto – und alles wurde ausgegeben, was verfügbar war. Die Liquidität im Unternehmen wurde nie bewusst gesteuert.
Beispiel 2: Dienstleistungsunternehmen mit stabilen Kunden
Ein Dienstleistungsunternehmen mit festen Kundenverträgen und regelmäßigen Einnahmen.
Der Umsatz ist monatlich planbar, Schwankungen gibt es kaum.
Und trotzdem:
- Jahreslizenzen für Software im Januar
- Wartungsverträge
- Rückstellungen aus dem Vorjahr
- Nachzahlungen
Die Liquidität rutscht ab, obwohl der Umsatz konstant ist.
Die BWA zeigt ein Minus.
Nicht wegen schlechter Leistung, ösondern weil alle Zahlungen gleich behandelt wurden.
Beispiel 3: Wachstum mit Vorfinanzierung
Ein wachsendes Unternehmen investiert:
neue Mitarbeiter, Marketing, Strukturen.
Der Umsatz steigt, aber:
- neue Mitarbeiter müssen vorfinanziert werden
- Marketingkosten laufen sofort
- Kunden zahlen mit Verzögerung
Die erste BWA ist ernüchternd.
Wachstum fühlt sich plötzlich gefährlich an.
Auch hier gilt: kein Umsatzproblem.
Sondern ein Liquiditäts- und Systemproblem.
Profit First: Gewinn ist kein Restbetrag
Genau an dieser Stelle setzt das Profit First-Prinzip an.
Die Logik wird umgedreht:
Umsatz – Gewinn = Kosten
Das bedeutet:
Gewinn, Steuern und Inhaberlohn werden nicht am Ende erhofft, sondern von Anfang an fest eingeplant.
Bei jedem Zahlungseingang wird das Geld aufgeteilt:
- ein Teil für Gewinn
- ein Teil für Steuern
- ein Teil für den Inhaberlohn
- der Rest für laufende Kosten
Nur das Geld, das für Kosten vorgesehen ist, darf ausgegeben werden.
Das verändert nicht nur die Zahlen, sondern auch die Entscheidungen.
Was sich mit Profit First konkret ändert
Unternehmen, die mit Profit First arbeiten, berichten oft schon nach kurzer Zeit von spürbaren Effekten:
- keine Steuerschocks mehr
- planbarer Inhaberlohn
- klare Grenzen für Ausgaben
- frühere Warnsignale bei falschen Kostenstrukturen
- ruhigere, sachlichere Entscheidungen
- deutlich weniger emotionale Reaktionen auf die BWA
Die BWA verliert ihren Schrecken, weil sie nicht mehr über Wohl und Wehe entscheidet.
Sie wird zu dem, was sie sein sollte: ein Steuerungsinstrument – kein Stressauslöser.
Warum gerade die erste BWA ein Weckruf ist
Die erste BWA des Jahres ist kein Urteil über Erfolg oder Misserfolg.
Sie ist ein Spiegel der finanziellen Struktur.
Wer jedes Jahr im Februar erschrickt, sollte nicht härter arbeiten oder zwanghaft mehr Umsatz machen – sondern die Reihenfolge im Umgang mit Geld ändern.
Liquidität im Unternehmen entsteht nicht durch Hoffnung.
Sie entsteht durch Systeme.
Fazit
Wenn deine erste BWA im Jahr ein Minus zeigt, heißt das nicht, dass dein Unternehmen schlecht läuft.
Oft heißt es nur, dass dein Finanzsystem dich im Stich lässt.
Profit First ist kein Wundermittel.
Aber es ist ein klares, pragmatisches System, das Ordnung schafft – gerade im Mittelstand.
Und Ordnung ist die Grundlage für Gelassenheit, Stabilität und unternehmerische Freiheit.
Profit First lässt sich pragmatisch und Schritt für Schritt in deinen Alltag integrieren – ohne dein komplettes Unternehmen auf den Kopf zu stellen.
Wenn du wissen willst, wie das für dein Unternehmen konkret aussehen kann, melde dich gern bei mir.